Kätzchen oder Katze/Kater ? Wohnung oder Freilauf ?

Wohnungs- oder Freigangkatze ? Einzeltier, Pärchen oder Zweitkatze ? Ein ausgewachsenes Tier oder Kätzchen ? Vielleicht sogar einer Scheuen ihre Chance geben ? Was ist das Richtige für Sie ?

Verschiedene Faktoren vereinfachen Ihnen die Wahl der richtigen Katze(n).

Die Wahl zwischen Freigänger und Wohnungskatze

Wohnen Sie an stark befahrenen Straßen, in deren Nähe oder innerhalb größerer Städte, haben Sie eine Wohnung im dritten Stock, oder haben sie offen katzenfeindliche Nachbarn oder Hunde an allen Ecken des Grundstücks und überwiegen so die Risiken, dass die Katze überfahren oder vergiftet würde ist klar die Wohnungskatze vorzuziehen. Vielleicht verfügen Sie ja über einen Balkon, den Sie mit im Handel/Internet erhältlichen Netzen und Gittern katzensicher gestalten können?

Wohnen Sie außerhalb, in verkehrsruhigen Zonen, gibt es in Ihrer Nachbarschaft einige Katzen und lassen Sie auch Ihre Kinder unbesorgt draußen spielen, holen Sie sich einen Freigänger! Von Natur aus ist die Katze ein Wildtier, nur durch die jahrhundertelange Domestizierung durch den Menschen ist eine halbwegs artgerechte Wohnungshaltung überhaupt erst möglich geworden. Für Katzen, die den Freigang kennen und gewöhnt sind, ist die Wohnungshaltung meist eine Qual und der Freigang sollte, solange die Risiken nicht überwiegen immer vorgezogen werden. Eine Wohnungskatze kann natürlich auch nicht überfahren, vergiftet, erschossen oder von anderen Tieren verletzt werden, was meist eine durchschnittlich höhere Lebenserwartung mit sich bringt.

Freigängerkatzen sollte man später nicht mehr zu Wohnungskatzen 'umpolen', Wohnungskatzen kann man jedoch, gerade wenn Sie schon älter sind, nach einem Umzug o. Ähnlichem meist bedenkenlos an die Freiheit gewöhnen.

Einzelkatze oder zwei Katzen ?

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Katzen seien Einzelgänger, sind unsere Katzen von Natur aus gesellige Tiere. Es gibt zwar, wie bei allen sozialen Tierarten, auch unter den Hauskatzen Einzelgänger, diese sind jedoch relativ selten zu finden.

Bei Wohnungshaltung sollte möglichst nie eine Einzelhaltung erfolgen, da dem Tier die Möglichkeit fehlt soziale Kontakte zu anderen Freigängern zu knüpfen. Außerdem wird es sich über kurz oder lang langweilen. Selbst wenn Sie als Mensch immer zu Hause sind und sich viel mit der Katze beschäftigen, können Sie kein vollwertiger Ersatz für andere Katzen sein. Bei zwei Katzen kann der gegenseitigen Fellpflege nachgegangen werden, es ist immer Gesellschaft da und der Spieltrieb kann ausgelebt werden, das soziale Umfeld ist gesichert. Aber keine Angst, auch ein Artgenosse kann die Beschäftigung mit dem Menschen normalerweise nicht ersetzen.

Vorzugsweise nimmt man zwei Kätzchen aus einem Wurf, schon aneinandergewöhnte oder noch junge Tiere. Wenn man zu einer älteren Katze eine Zweitkatze holt, kann es teilweise dauern bis die ältere Katze den fremden Eindringling in ihrem Territorium annimmt - was aber normal auch nur eine Frage der Zeit und Geduld ist. Beachten Sie bitte, dass es bei Katzen keinen Welpenschutz gibt! Sollten Sie ein Kätzchen zu Ihrer ausgewachsenen Katze dazu holen lassen Sie die beiden am Anfang nicht unbeaufsichtigt, sondern beobachten erst, wie Ihre Katze mit dem kleinen Neuling umgeht.

Kätzchen oder ausgewachsene Katze(n)?

Kleine Kätzchen sind allerliebst, das steht außer Frage, aber überlegen Sie sich, ob eine ausgewachsene Katze nicht vielleicht besser für Sie wäre. Davon abgesehen, dass Kätzchen schnell wachsen, kann man sie in vielerlei Hinsicht mit Babys vergleichen. Sie brauchen viel mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung, gehen wie Babys viel öfter aufs Klo, das im Idealfall nach jedem großem Geschäft davon gereinigt werden sollte, sind evt. noch gar nicht stubenrein und erkunden noch tapsig Ihre komplette Wohnung. Vom Mülleimer, in's offene WC, quer über's Ceranfeld, einmal durch's Bücherregal um dann, nach einem Kurzaufenthalt im Blumentopf, in der frischen Wäsche oder auf der Computertastatur erschöpft ein Nickerchen einzulegen. Davon abgesehen, dass durch ihre Tolpatschigkeit einiges um/runtergeschmissen wird und zu Bruch gehen kann, müssen Sie dafür Sorge tragen, dass sich die Kleinen nicht verletzen.

Bei älteren Katzen kann man meist davon ausgehen, dass sie soweit erzogen sind, dass sie beispielshalber einen Bogen um Blumentöpfe und Arbeitsfläche machen und wissen wozu das Katzenklo gut ist, bzw. dass das Sofa kein Kratzbaum ist. Ihr Ent- deckungsgeist ist zwar nicht kleiner, sie sind jedoch vorsichtiger und gehen bedachter vor. Zudem kennen sie schon viel. Auch sind sie im Normalfall bereits kastriert und weniger empfänglich für Krankheiten. Sollten Sie sich eine Katze (oder besser zwei) aus dem Tierheim holen, wird sie es mit dankbarer Treue belohnen.

Fazit: Holen Sie sich nur kleine Kätzchen wenn Sie über genügend Zeit und Geduld verfügen und denken Sie dran, dass die Kleinen nicht lange klein bleiben und auch eine ältere Katze mit einer ausgeprägten Persönlichkeit faszinierend sein kann.

Teenager oder ein gesetzteres Tier? 

Auch wenn Sie sich für eine ausgewachsene Katze entscheiden, haben Sie natürlich ein weites Altersspektrum zur Auswahl. Bis zum Alter von ca. drei Jahren dauert die „Teenager-Zeit“ einer Katze. Zwar ist sie in dieser Phase nicht mehr ganz so wuselig wie ein Kätzchen, aber sie testet ihre Grenzen aus, will die Welt kennenlernen und braucht, falls man sie in der Wohnung hält, viel Beschäftigung.

Optimalerweise richtet man für seine junge, aktive Wohnungskatze(n) eine feste, tägliche Spielstunde ein, um zu vermeiden, dass Langeweile aufkommt. Auch Mitbringsel von draußen wie Blätter oder Kastanien sind immer gerne gesehen, ebenso wie eine Fülle an Klettermöglichkeiten. Dafür muss man allerdings nicht mehrere teure Kratzbäume kaufen, es reicht, wenn man als Ergänzung zum Kratzbaum sichere Auf- und Abstiegsmöglichkeiten für die Regale und Schränke schafft.

Das alles klingt nach zu viel Aufwand? Eigentlich wollen Sie nur Katzen, um mit ihnen nach der Arbeit gemütlich auf dem Sofa zu kuscheln? Dann wäre vielleicht eine Katze in den mittleren Jahren oder ein Senior das Richtige für Sie. Denn für Katzen gilt dasselbe wie für Menschen: Je älter, desto gemütlicher werden sie. Auch ältere Katzen spielen hin und wieder noch gerne, aber viel wichtiger ist ihnen ein gemütlicher Kuschelplatz. Und sie können sehr dankbar sein, wenn man ihnen einen schönen Altersruhesitz bietet.

Scheue Katzen


Haben Sie bereits eine "Kuschelkatze", oder können damit leben, dass Ihr neues Tier Ihnen anfangs aus dem Weg geht und sich nicht anfassen lässt, fassen Sie bitte auch die Möglichkeit ins Auge einer scheuen Katze ihre Chance zu geben. Diese sind oft ewig in Tierheimen, teilweise Jahre! und haben so gut wie keine Vermittlungschancen.
Je nachdem wie diese Katzen aufgewachsen sind, was sie erlebt haben und wie alt sie sind, kann es Wochen oder gar Monate dauern bis sie Zutrauen fassen und sich anfassen lassen. Meist sind die 'Scheuen', ist ihr Vertrauen erst einmal gewonnen, jedoch viel anhänglicher und dankbarer als ihre Artgenossen! Nur leider findet sich viel seltener jemand, der ihnen ihre Chance gibt und die erforderliche Geduld aufbringt...
Ihr neues Familienmitglied hat zuerst einmal Angst vor Ihnen. Versuchen Sie sich in ihre Katzen hineinzuversetzen. Sie hatte bisher kaum Kontakt zu Menschen oder hat sogar schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht. Nach allem, was sie weiß, könnten Sie vorhaben, sie zu fressen ;-) Es ist Ihre Aufgabe, sie davon zu überzeugen, dass sie nicht auf dem Speiseplan steht. Das ist aber gar nicht so schwer.
Zuerst einmal braucht Ihre Katze Rückzugsmöglichkeiten. Gute Verstecke sind zum Beispiel ein mit einer Decke verhängter Stuhl, ein Pappkarton, in den man ein Eingangsloch schneidet oder auch einfach eine Transportbox oder ein Platz unterm Bett. Stellen Sie in diesen Raum zudem Wasser, Futter, ein Katzenklo und vielleicht ein bisschen Spielzeug. Setzen Sie die Katze bei ihrer Ankunft dort hinein und machen Sie die Tür zu. Lassen Sie die Tür zu diesem Raum auf keinen Fall offen stehen, schon gar nicht, wenn Sie gleichzeitig die Haustür oder die Terrassentür öffnen oder gerade mit offenen Fenstern im ganzen Haus lüften! Auch das Fenster im Zimmer Ihres Neuankömmlings sollte geschlossen oder katzensicher vergittert sein. In der ersten Zeit wird Ihr neues Familienmitglied jede Fluchtmöglichkeit nutzen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Dann lassen Sie Ihre Katze erst mal einfach in Ruhe. Dass die Katze anfängt, sich im Raum zu bewegen, wenn Sie nicht bei ihr sind, merken Sie daran, dass vom Futter etwas fehlt und das Katzenklo benutzt wurde. Wenn es so weit ist, setzen Sie sich immer mal zu der Katze in den Raum und lesen Sie ihr leise vor. Auf diese Art gewöhnt sich Ihr neues Familienmitglied an Ihre Anwesenheit und Ihre Stimme und lernt, dass von Ihnen keine Gefahr ausgeht. Sollten Sie Blickkontakt herstellen können, blinzeln Sie ihr langsam zu und schauen Sie dann weg. Das ist die kätzische Version eines Lächelns. Sollte Sie sie länger anschauen wollen, schließen Sie dabei die Augen halb. Das signalisiert Entspannung. Offenes Starren dagegen ist unter Katzen eine Drohung.
Legen Sie Leckerlis vor dem Versteck ab, aber versuchen Sie auf keinen Fall, Ihr neues Familienmitglied anzufassen. Respektieren Sie die Grenzen. Ohren anlegen und Fauchen sind deutliche Hinweise, dass Sie zu dicht gekommen sind. Bieten Sie nach einer Weile vorsichtige Spiele mit einem Federwedel oder eine Angel und Leckerlis aus der Hand an. Sobald sich Ihr Neuankömmling in seinem Zimmer verhältnismäßig sicher bewegt, können Sie ihm den Rest des Hauses oder der Wohnung zugänglich machen. Verhalten Sie sich dann ganz normal, leben Sie einfach Ihren Alltag, schauen Sie nicht ständig nach Ihrer Katze. Achten Sie aber weiterhin darauf, keine Türen oder Fenster offen stehen zu lassen. Öffnen Sie die Eingangstür nicht, wenn die Katze direkt daneben sitzt. In den Freigang sollte man eine scheue Katze erst lassen, wenn sie nicht mehr vor einem wegläuft und sich sichtlich zuhause fühlt. Sie muss sich bei Ihnen erst wohlfühlen, bevor Sie von ihren Ausflügen zuverlässig jedes Mal zurückkehren wird.

Und Sie holen sich, haben Sie das Vertrauen schließlich gewonnen, einen wirklich sehr treuen Freund ins Haus. :)