Pressemitteilung 14. Oktober 2020: Stachelige Intensivpatienten 

     

Unterkühlt, viel zu leicht, geplagt von Parasiten und Krankheiten: Ungewöhnlich viele Igelkinder erreichen derzeit das Heilbronner Tierheim. „So viele Jungigel hatten wir noch nie zu versorgen“, sagt Anja Fischer, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins Heilbronn und Umgebung. Helfen kann jeder Gartenbesitzer.

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Rocky, Mickey, Apollo und Duke wohnen bei Anja Fischer. Die Igelkinder sind knapp drei Wochen alt, brauchen alle drei Stunden ihren Schoppen. „Sie kamen völlig unterkühlt und voll mit Fliegeneiern und Maden im Tierheim an“, erzählt Fischer. Drei Stunde habe es gedauert, Eier und Maden abzusammeln. Die Tierschützerin kann noch viele andere Beispiele nennen. Maya, die von 585 Gramm auf ein Kilogramm Gewicht aufgepäppelt werden konnte, Coconut, Cherry und Krampfi, die die Tierärztin als Intensivpatienten rettete. Immer wieder kommt es vor, dass Mütter zu wenig Nahrung finden, um den Nachwuchs ausreichend zu säugen. 

„Auswildern konnten wir bereits acht Igelkinder, sieben wohnen auf einer Pflegestelle bei einer Ehrenamtlichen“, berichtet Anja Fischer. Die Frau habe sogar Igelhäuser und ein Auswilderungsgehege gebaut. Doch trotz dieser Erfolgserlebnisse betreut das Heilbronner Tierheim noch immer viele kleine stachelige Gesellen, allein im eigens eingerichteten Container sind es sieben Tiere, die viel zu leicht für die Jahreszeit sind. Denn: Nur gut genährte Igel kommen gut durch den Winter. Mindestens 500 bis 600 Gramm sollten Jungtiere bis Anfang November auf die Waage bringen. 

Der Deutsche Tierschutzbund ermuntert dazu, untergewichtige Igel zu füttern. Möglich ist Katzenfutter gemischt mit wenig, maximal einem Esslöffel Haferflocken auf 100 Gramm Futter. „Wenn man Igeln eine Freude machen möchte, sind Heimchen, Mehlwürmer, Hühnerflügel, Rührei, Katzenfutter ohne Soße und Gelee, also wenn möglich Paté und hochwertiges Katzen-Trockenfutter geeignet. Und dazu natürlich ein Schälchen mit Wasser“, sagt Anja Fischer. Essensreste sind dagegen ungeeignet, Milch ist für die laktoseintoleranten Tiere sogar schädlich. 

Neben den natürlichen, bedrohen auch menschgemachte Gefahren das Leben von Igeln. Laubsauger und -bläser gehören genauso dazu wie die immer beliebter werdenden Mähroboter. Der Tierschutzbund appelliert an die Gartenbesitzer, auf solche Geräte zu verzichten und die Grünanlagen möglichst naturnah und igelfreundlich zu gestalten. So sind aufgehäufte Gartenabfälle ein ideales Quartier für den fünf- bis sechsmonatigen Winterschlaf. Da die Tiere bei ihrer Nahrungssuche weite Streckenzurücklegen, bietet ein igelfreundlicher Garten Durchgänge zu anderen Grundstücken. 


 

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